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Gscheid.HAFERL in Kolumbien

Gscheid.HAFERL in Kolumbien

Oft werden wir gefragt: "Wo kommt eigentlich Euer Kaffee her?" Für alle, die uns das selbst noch nicht gefragt haben: Den größten Anteil hat Kolumbien. In unseren Espressi gscheid.stoark und Fuxspresso, der Universalwaffe siebn.gscheid und natürlich unserem gscheid.bärigen Single Origin haben wir kolumbianischen Kaffee. Grund genug, den Anbau vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Da kam uns eine Reise gerade recht, die uns unser Rohkaffee-Importpartner Thomas Stehl angeboten hat: wir besuchen die Region, aus der wir schon den Kaffee von den Fincas La Estrella und La Mejorana bezogen haben. Und zwar zusammen mit Rösterkollegen und Mauricio, dessen Onkel die Finca La Mejorana in Quindio betreibt. Da waren Manu und ich sofort dabei.

auf der Finca "La Carmelita"

Nach einem anstrengenden Flug über Frankfurt und Bogota und einer dann doch recht kurzen Nacht ging es am ersten Tag gleich los auf die Finca La Carmelita, einem Teil der La Mejorana, deren Kaffee wir für unseren Fuxspresso verwenden. Farmbesitzer Don Carlos ist Agronom und Kaffeebauer mit Leib und Seele, was uns sehr schnell klar wurde, als wir durch die Felder geführt wurden. Für Don Carlos gibt es kein Unkraut, viel Grün sprießt zwischen den Kaffeepflanzen, die unter großen, schattenspendenden Bäumen kultiviert werden. Daneben fühlen sich auch Insekten, Vögel und Pilze wohl in den Plantagen, die fast wie ein kleiner Urwald wirken. Wunderschön! Und das erste Mal seit einem Jahr endlich wieder Kaffeepflanzen live!

Don Carlos erklärt die Wichtigkeit der Mykorrhiza, einer Symbiose von Pilzen und Kaffeebäumen

Die Begeisterung sprang sofort auf uns alle über und so gingen wir frohen Mutes zum Mittagessen bei einem benachbarten Restaurant mit eigener Ziegenzucht, wo wir mit Bohnen, Reis und allerlei Gegrilltem bestens versorgt und dabei von Kolibris umschwirrt wurden.Traumhaft schön! Mein persönliches Highlight: die frisch gepressten Säfte und hausgemachten Limonaden.

Nachdem wir uns alle gestärkt hatten, besuchten wir die Aufbereitungsstation und das Trocknungsmodul der Farm. Durch den Export der letzten Jahre konnte Don Carlos bereits in ein Trocknungsmodul investieren. Dieses wurde in Eigenregie errichtet aus Guadua-Bambus, der auf der eigenen Farm geerntet wurde.

Manu und das gerade trocknende Honey-Microlot

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Das wurde uns recht schnell deutlich, als wir die Schälstation und das Fermentationsbecken begutachten durften. Hier herrscht deutlicher Investitionsbedarf: morsches Holz, halsbrecherische Elektroinstallation und Technik, die noch vom Urgroßvater stammen muss. Hier wird einem wieder sehr schnell bewusst, warum es wichtig ist, für unseren Rohkaffee einen fairen Preis zu bezahlen. Wenn der Ertrag gerade so für die Ernährung reicht, müssen Investitionen eben zurückgestellt werden. Oder die Kaffeeproduktion wird ganz aufgegeben, was viele von Carlos' Nachbarn bereits getan haben.

Am Abend zog dann ein Sturm über Quindio, mit Wind und teilweise heftigen Regenschauern. Unsere Gastgeber ließen sich aber davon nicht beeindrucken und haben trotzdem für uns gegrillt, so dass wir den Abend bei Grillfleisch, Kartoffeln, Kochbanane und Bier gemütlich ausklingen lassen konnten.

Am nächsten Vormittag stand ein Schulbesuch auf dem Programm: "La Mejorana" unterstützt auch eine Schule im Ort, um den Kindern der Dorfbewohner Bildung und damit eine aussichtsreiche Zukunft zu ermöglichen. Da der Sturm des Vorabends einen Teil des Schuldaches beschädigt hat, hat sich unsere Gruppe neben den ohnehin mitgebrachten Mal- und Schulsachen spontan zu einer Spende entschieden, damit der Unterricht in beiden Klassenzimmern weiter stattfinden kann.

Sprachbarriere? - Fehlanzeige! Manu beim Basteln mit den Schulkindern 

Auch in Kolumbien stellt die Landflucht der jungen Generation ein großes Problem dar. Viele zieht es in die Städte, anstatt auf dem Land dem (Kaffee-)Anbau nachzugehen. Beim aktuell sehr niedrigen Börsenpreis für Rohkaffee leider sehr verständlich. Trotz der eigentlich bedrückenden Situation für die Kinder waren diese sehr gut gelaunt und konnten uns - auch ohne Spanischkenntnisse - mit ihrem Lachen anstecken.

Im Anschluss gings für uns weiter zu Neftali Madrid, der Nachbarfarm von Don Carlos. Neftali übernimmt für seine Kollegen die Aufzucht von Jungpflanzen und experimentiert gern mit neuen Varietäten. So habe ich "meine erste Geisha-Pflanze streicheln dürfen" und erfahren, dass wir von La Mejorana in den nächsten Jahren mit experimentellen Typica-Züchtungen rechnen dürfen, die in Ecuador bereits zu sehr erfolgreichen Ergebnissen geführt haben. Angebaut auf Don Carlos' Boden dürfen wir uns davon einiges versprechen!

Neftali in seinem Element: Kaffeepflanzenaufzucht

Nach dem Mittagessen in der Unterkunft mit Bohnen, Reis, Pulled Pork, Salchicha, Spiegelei und Kochbanane haben wir noch die Finca "La Samaria" besucht, einen der Pioniere des kolumbianischen Bio-Anbaus. Bei einem Kaffee hat er uns die Schwierigkeiten geschildert, die ihn über Jahre gefordert hatten, bis er vor kurzem endlich die Zertifizierung in den Händen halten konnte. Sehr interessant!

Manu beim Wenden von Bio-Kaffee auf der Finca La Samaria

Am Freitag war dann hauptsächlich Autofahren angesagt: landschaftlich wunderschön, aber in der dritten Sitzreihe im Geländewagen doch nicht ganz so bequem war es auf dem Weg nach Riosucio, wo wir Christiano, einen jungen Ingenieur besuchen durften, der doch lieber Kaffee anbaut als dem studierten Beruf nachzugehen. Eine Geschichte, die uns irgendwie bekannt vorkommt. Im Anschluss ging's zur indigenen Kaffeebauerngenossenschaft Ingruma, die wir im Qualitätslabor besucht haben. Endlich gab es Kaffee zum Verkosten, auch den von Christiano. Und da wir unseren gscheid.bärig mitcuppen durften, waren wir nicht unbeeindruckt.

Nach über drei Stunden zurück wollten wir nur noch eins: (bzw. drei Sachen: eine Pizza, Bier und) ab ins Bett.

Schließlich blieb uns nur noch ein Tag, um die Finca La Mejorana zu besuchen, ein paar weitere Fotos zu schießen und im Qualitätslabor eines benachbarten größeren Betriebes ausgiebig Kaffees zu cuppen. In drei Runden hatten wir einige tolle Kaffees auf dem Tisch, leider aber konnten wir vor Ort keine Infos zu Preisen, Verfügbarkeiten und Co. bekommen. Wir hoffen aber, diese in den nächsten Wochen noch zu kriegen - und dazu einige Muster für die Verkostung in unserer Rösterei, um auch wieder die fruchtig-schokoladigen Colombias direkt einkaufen zu können.

 Fotos: Hans Ripa, Matthias Wutz